Geschichte der Kooperation im Teilraum Deggendorf/Plattling

Im Teilraum Deggendorf/Plattling wird der Prozess der Regionalentwicklung als "Bottom-up-Prozess" durch interkommunale Kooperation durchgeführt. Kern des Teilraumes Deggendorf/Plattling sind die beiden Städte Deggendorf und Plattling, der Kooperationsraum entspricht dem im Landesentwicklungsprogramm von 1992 festgelegten Stadt-Umlandbereich im ländlichen Raum, erweitert um die Gemeinden Niederalteich und Offenberg. Ausgangspunkt der Bildung des Teilraumes Deggendorf/Plattling als regionalplanerische Einheit war das Bemühen im Doppelort Deggendorf/Plattling um eine gemeinsame Entwicklungsplanung, das zu dem vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie unter starker finanzieller und personeller Beteiligung der Gemeinden und des Landkreises Deggendorf erstellten Teilraumgutachten für den Verflechtungsraum Deggendorf/Plattling durch eine interdisziplinär besetzte Arbeitsgruppe führte. Das Teilraumgutachten für den Verflechtungsraum Deggendorf/Plattling wurde den Teilnehmergemeinden 1996 Überreicht. Im Teilraumgutachten war ein nachhaltiges und zukunftsfähiges Leitbild zur Regionalentwicklung enthalten, das die Ordnung und Entwicklung des Raumes unter ökologischen, landschaftsplanerischen, verkehrlichen und siedlungsstrukturellen Aspekten vorbereitet und die anstehenden Zukunftsaufgaben in der Region berücksichtigt. Ein Maßnahmenkatalog im Teilraumgutachten bezog Projekte ein, deren Umsetzung durch die Gemeinden begonnen wurde.

Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung hat 1997 im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen einen Ideen- und Realisierungswettbewerb mit dem Titel "Regionen der Zukunft" ausgelobt. Der Wettbewerb stand für eine neue Form der Regionalförderung, um eine nachhaltige Raum- und Siedlungsentwicklung auf regionaler Ebene anzustoßen. Statt nur wenige Regionen direkt finanziell zu fördern, gab der Wettbewerb möglichst vielen Regionen in ganz Deutschland Impulse für den Weg zu einer ökologisch, sozial und ökonomisch erfolgreichen Entwicklung - auch und gerade mit Blick auf die nächsten Generationen. Die Handlungsfelder des Wettbewerbes stimmten in vielen Punkten mit den Ansätzen des Teilraumgutachtens Deggendorf/Plattling überein. Der Teilraum hatte sich daher für die Teilnahme am Bundeswettbewerb entschieden.

Im Juni 1998 wurde der Teilraum Deggendorf/Plattling zusammen mit 25 weiteren Regionen aus ursprünglich 87 Regionen mit dem Prädikat "Region der Zukunft" ausgezeichnet. Vor allem die Zusammenarbeit und Organisationsform des Teilraumes Deggendorf/Plattling wurde als besonders gelungenes Beispiel freiwilliger Partnerschaft selbständiger und gleichberechtigter Kommunen zur Sicherung der regionalen Zukunftschancen hervorgehoben. Die 26 ausgewählten Regionen sind auf der Eröffnungsveranstaltung des Wettbewerbs in Würzburg am 29.6.1998 mit dem Prädikat "Region der Zukunft - auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung" vom damaligen Bundesbauminster Eduard Oswald ausgezeichnet worden.

Im Rahmen des Weltstädtebaukongresses Urban 21 wurde der Wettbewerb "Regionen der Zukunft" mit der Preisverleihung für die Regionen durch Bundesbauminister Klimmt am 6. Juli 2000 offiziell beendet. Auf der Urban 21 konnte der damalige Deggendorfer Oberb├╝rgermeister Dieter Görlitz als Vertreter der acht Teilraumgemeinden einen der zweiten Preise vom ehemaligen Bundesminister Reinhard Klimmt in Empfang nehmen. Für das innovative Konzept und die Projekte zur Regionalentwicklung erhielt der Teilraum von Bundesbauminister Klimmt als symbolischen Preis einen "Baum der Nachhaltigkeit", der vor Ort gepflanzt wurde - als Symbol des Zusammenwachsens der Region.

Die Bürgermeister des Teilraumes Deggendorf/Plattling sahen in dem Erfolg von Berlin einen Auftrag zur weiteren langfristigen Zusammenarbeit der acht Gemeinden. Die Abschlussveranstaltung des Wettbewerbes Regionen der Zukunft sollte nicht als Schluss gesehen werden. Vielmehr sollte die erfolgreiche Arbeit auch in Zukunft fortgesetzt werden. Dies wurde auch in der "Deggendorfer Erklärung" vom 25. Juli 2000 festgehalten.

Der Teilraum Deggendorf/Plattling beteiligt sich an mehreren überregionalen Netzwerken. Er ist als "Region der Zukunft" Gründungsmitglied des bundesweiten Netzwerkes "Futuregio", das sich 2004 mit der Arbeitsgemeinschaft deutscher Regionalinitiativen zum Netzwerk "Regionen im Dialog" zusammengeschlossen hat.

Fortgeführt werden soll insbesondere auch die Kooperation mit der Schweizer Region "Erlach-Östliches Seeland", die 1999 begonnen wurde. In diesem Jahr machte sich das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung auf die Suche nach geeigneten europäischen Referenzregionen für die deutschen "Regionen der Zukunft". Gefragt waren innovative Konzepte und Strategien für eine nachhaltige Regionalentwicklung. Auf die vom Internationalen Rat für kommunale Umweltinitiativen (ICLEI) durchgeführte europaweite Ausschreibung wurden ebenfalls 26 europäische "Regionen der Zukunft", so auch die Region Erlach/Östliches Seeland, ausgewählt. Die Kooperation zwischen dem Teilraum Deggendorf/Plattling und der Region Erlach/Östliches Seeland ist die einzige, mit der die Idee des BBR ernsthaft aufgenommen wurde. Beide Regionen weisen als interkommunale Zusammenschlüsse in ihrer Problemstellung und Organisation Parallelen auf, die Grundlage sein können, im Erfahrungsaustausch und in der gemeinsamen Projektbearbeitung voneinander zu lernen. Delegationen mit Entscheidungsträgern aus beiden Regionen haben die jeweils andere Region besucht. Auf Grundlage dieser Kooperationen wurde unter Einbeziehung einer weiteren Partnerregion aus Österreich das Interreg III C-Projekt "RISE - Regional identity and culture, strengths development & environment action" entwickelt, das im Zeitraum 2004 - 2006 bearbeitet wurde.